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26.06.2009

ZIT Das Zentrum für Innovation und Technologie unterstützt Wiener KMUs durch Vernetzung mit Forschungsstellen

In den letzten 15 Monaten beriet das ZIT 119 Unternehmen, startete 50 Technologieberatungsprojekte und initiierte 27 weiterführende Kooperationsprojekte, von denen bereits 19 abgeschlossen sind.

Wien. Das ZIT ist mit der Wiener Forschungs- und Technologielandschaft sowie darüber hinaus sehr gut vernetzt. Im Rahmen der Technologieberatung sucht das ZIT für KMUs nach geeigneten KooperationspartnerInnen zur Lösung technologischer Fragestellungen. Zusätzlich schlägt das ZIT passende Fördermöglichkeiten zur Finanzierung vor.
medianet: Wie kann ein Wiener KMU von der Technologieberatung des ZIT profitieren?
Peter Halwachs: in Wien gibt es zwischen 70.000 und 80.000 KMUs, und viele von ihnen entwickeln innovative Lösungen und Produkte. F&E-Projekte, bei denen beispielsweise Prototypen entwickelt werden, sind jedoch durch ein hohes technisches Risiko gekennzeichnet. Vor allem sehr komplexe Projekte erfordern Spezialisten-Know-how, das oft außerhalb des Kernbereichs eines Unternehmens liegt. Da ist der von uns organisierte Wissenstransfer eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich auf dem letzten Stand der Wissenschaft einzukaufen. Es könnte auch durchaus sein, dass das vom Unternehmen benötigte Know-how bereits vorhanden ist, was sich in Gesprächen mit Wissenschaftern klären lässt. Auf diese Weise können auch Doppelforschungen vermieden werden.
medianet: Wie haben Sie als Geschäftsführer eines KMU vom ZIT erfahren?
Georg Tschare: Mir ist ein Folder des ZIT in die Hände gefallen, als ich gerade auf der Suche nach technischen Entwicklungspartnern war. Unsere Kernkompetenz ist die Umsetzung der Gebärdensprache in Filmprojekten. Da haben wir genug damit zu tun, die Filminhalte in Gebärdensprache darzustellen, und wollten uns nicht mit der ebenfalls notwendigen technischen Umsetzung beschäftigen. Es wäre auch nicht wirtschaftlich gewesen, diese Ressourcen ins Haus zu holen, sodass wir auf der Suche nach Leuten waren, die uns ganze Pakete abnehmen, die wir dann im Produktionsprozess einsetzen können. Über das ZIT wurden bisher mehrere gute Kontakte hergestellt, und derzeit laufen konkrete Kooperationsverhandlungen. Wenn ich alleine nach passenden Kontakten gesucht hätte, wäre ich bis heute sicher nicht so weit gekommen
medianet: Mit welchen Forschungseinrichtungen arbeiten Sie derzeit konkret zusammen?
Tschare: Wir arbeiten schon länger mit der FH Joanneum zusammen und sind derzeit mit der Firma lemonaut creations, einem innovativen Multimediaunternehmen, im Gespräch. Außerdem wurde von Herrn Halwachs der Kontakt zu Christian Breiteneder, Professor am Institut für Softwaretechnik und interaktive Systeme an der TU Wien, hergestellt. Unser Unternehmen Equalizent bietet mit 33 Mitarbeitern zum Thema Gebärdensprache Schulungen, Beratungsleistungen, Entwicklung und technische Services wie Museumsguides und barrierefreie Homepages an.
medianet: Die Carl Reiner GmbH stellt chirurgische Instrumente her. Für welches Projekt haben Sie über das ZIT Kontakte zur Wissenschaft gesucht?
Dominik Lirsch: Das ZIT ist auf uns zugekommen, da wir bereits Förderprojekte über den FFG, FFF, WWFF eingereicht hatten. Das hat sich vom Timing gut getroffen, da wir gerade mitten in der Entwicklungsarbeit zur Verbesserung unseres Laryngoskops waren. Es hat nicht lange gedauert, bis Herr Halwachs mit einem passenden Kontakt auf mich zugekommen ist. Bis dahin waren wir es gewohnt, Probleme im Alleingang zu lösen, doch das geht neben dem Tagesgeschäft oft etwas schleppend voran. Über das ZIT haben wir den Kontakt mit dem Institut für Umformtechnik im Arsenal hergestellt und unsere Anforderungen präsentiert. An der folgenden Kooperation hat mir sehr gut gefallen, dass alles sehr schnell und effizient über die Bühne gegangen ist.
medianet: Was konkret ist bei diesem F&E-Projekt herausgekommen?
Lirsch: Wir stellen ein Operations- Laryngoskop her, das bei OPs an Stimmbändern oder am Kehlkopf zum Einsatz kommt. Das Problem dabei ist, dass der Tubus, der die Sicht ermöglicht, bei der Operation im Weg ist. Unser Lösungsansatz ist es nun, den Tubus wegzulassen, indem wir die Beatmung des narkotisierten Patienten direkt mit dem Instrument durchführen. In das Rohr sind Kanäle und Düsen eingearbeitet, welche die Atemluft mit Druck in den Patienten blasen. In den neunziger Jahren wurde diese Jet-Technik gemeinsam mit dem Wiener AKH in das Instrument integriert. Bisher waren die Instrumente immer aus Messing hergestellt, das vernickelt oder verchromt wurde. Dies hat sich aber als problematisch erwiesen, da die Beschichtungen Allergien auslösen können und von OP-Lasern beschädigt werden. Wir wollten daher als Alternative eine Edelstahllegierung einsetzen, die allerdings schwieriger zu verformen ist als das gewohnte Material. Außerdem müssen die Rohre in verschiedenen Dimensionen zur Verfügung stehen, da nicht alle Patienten gleich gebaut sind. Wir waren daher auf der Suche nach äußerst flexiblen Fertigungsverfahren, die für Kleinserien geeignet sind. Es gibt sechs Standardgrößen sowie Kindergrößen und Einzelanfertigungen, die den Anforderungen von Spezialisten entsprechen.
medianet: Welche Lösung hat das Institut für Umformtechnik gefunden?
Alexander Kratky: Die Herausforderung war, dass das Rohr an beiden Enden stark unterschiedliche Durchmesser hat und nahtlos sein soll. Die starke Aufweitung wäre durch mehrfaches Glühen zwar auch zu erreichen, doch ist das ein teures Verfahren. Wir haben daher sechs oder sieben Alternativverfahren
vorgeschlagen. Als Universitätsinstitut haben wir natürlich einen wesentlich tieferen Einblick in die Thematik als ein KMU. Wir haben uns also einige Varianten überlegt und sind dann auf das althergebrachte Verfahren des Drückens gekommen. Das ist zwar keine großartige Innovation, doch hat sich das Drücken als das kostengünstigste Verfahren erwiesen. Die Belastung der Werkzeuge ist dabei nicht sehr hoch. Sonst kostet selbst ein kleines Werkzeug für die klassische Umformung bereits 10.000 bis 20.000 Euro.
medianet: Sind Sie aus Sicht des Unternehmens mit der Kooperation zufrieden?
Lirsch: Es ist dabei genau das herausgekommen, was wir uns gewünscht haben. Die Werkzeugkosten beim Drücken sind tatsächlich zu vernachlässigen, sodass wir für diesen Hauptteil des Laryngoskops auf einen Stückpreis von unter 100 Euro kommen. Derzeit arbeiten wir an den Prototypen, danach beginnt die Serienproduktion.
medianet: War die Kooperation mit einem KMU für Ihr Institut eine Premiere?
Kratky: Wir sind stark auf Drittmittelfinanzierung angewiesen und gehen daher aktiv auf Unternehmen zu. In der Regel suchen wir Projektpartnerschaften mit großen Industrieunternehmen. Anders als in KMUs gibt es dort meist jemand, der sich mit den Förderungen auskennt und den ganzen Tag nichts anderes tut, als die Projekte zu strukturieren. Mit KMUs hatten wir zuvor kaum Kontakt. Dabei ist da  für uns sehr spannend, weil wir mit Aufgabenstellungen konfrontiert werden, wo wir aktiv werden und all unsere Möglichkeiten ausschöpfen können. So sehen wir die ZIT-Initiative sehr positiv und begrüßen es, auch Kleinprojekte machen
zu können. Die Zusammenarbeit mit der Carl Reiner GmbH war für uns eine Premiere.
medianet: Auf welche Weise hat die Blue Monkeys GmbH von den ZIT-Kontakten profitiert?
Michael Kunz: Wir sind letzten September vom ZIT kontaktiert worden, als wir gerade am Programmieren unserer Softwarelösung Epunet waren, mit der Klein- und Kleinstunternehmen ihre Geschäftsprozesse verwalten können - also Angebote erstellen, daraus Rechnungen machen, archivieren, überprüfen, welche Rechnungen noch offen sind, mahnen, etc. Mit Epunet können Lieferanten, Kunden und das gesamte Sortiment einfach verwaltet werden. Die Idee dazu ist aus einer Notwendigkeit entstanden, da wir für unser eigenes Business auf der Suche nach einer solchen Lösung waren und auf dem Markt nichts Entsprechendes gefunden haben. Die vorhandenen Lösungen waren entweder extrem kompliziert oder
einfach zu teuer. Wir haben daher für Unternehmen eine Onlinelösung geschaffen, die mit 7,50 Euro im Monat sehr kostengünstig und dazu noch leicht zu bedienen ist.
Useabilitiy ist zentraler Bestandteil unserer Firmenphilosophie.
medianet: Für welche Aufgabenstellung haben Sie einen Entwicklungspartner gesucht?
Kunz: Da sensible Unternehmensdaten
wi  Umsatzzahlen, Kunden und Lieferanten auf einem Webserver gespeichert werden, ging es darum, dieses Datenmaterial bestmöglich zu schützen.
medianet: Das ZIT hat dazu die SecureBusiness Austria kontaktiert.Haben Sie schon Erfahrungen mitdieser konkreten Aufgabenstellung gemacht, im Web geparkte Informationen abzusichern?
Edgar Weippl: Ja sicher, denn die auf den üblichen Betriebssystemen und Netzwerkapplikationen basierenden Anwendungen bieten einige Sicherheitslücken. Wir kennen die Stellen, an denen üblicherweise Attacken zu erwarten sind, da wir uns schon sehr lange mit dem Thema beschäftigen. Secure Business Austria ist ein Forschungszentrum für IT-Sicherheit, das von ehemaligen Universitätsmitarbeitern und ein paar Leuten aus der Wirtschaft gegründet wurde. Unsere Hauptaufgabe ist es, die Zusammenarbeit von Unternehmenund akademischen Partnern zu stärken, um angewandte Forschung zu unterstützen. Wir entwickeln Sicherheitslösungen sowohl für Hardware als auch für Software.
medianet: Konnte eine für die bluemonkeys GmbH befriedigende Lösung gefunden werden?
Gerald Aichholzer: Bei den Sicherheitstests sind Lücken aufgetaucht, auf die wir ohne die SBA in 100 Jahren nicht gekommen wären. Man konnte beispielsweise die Administrator-Session klonen und kapern und sich dann selbst alsAdministraton im System bewegen. Dieses Session Kloning hätten wir von selbst nie überprüft, da wären wir wohl erst im Katastrophenfall draufgekommen.Es geht uns wie vielen anderen KMUs: Wir sind zu klein, um eine eigene Sicherheitsabteilung oder
Qualitätsmanagementabteilung zu unterhalten. Zudem stehen wir oft unter Zeitdruck und laufen dabei Gefahr, Sicherheitslücken zu übersehen. Da hat es uns natürlich sehr
geholfen, dass uns extern unter die Arme gegriffen wurde. Das Produkt Epunet ist mithilfe der SBA fertigentwickelt worden und seit September online. Wir haben jetzt weitere Förderungen bei der FFG eingerecht, um das Produkt weiterzuentwickeln.
medianet: Abschließend eine Frage an die Technologieberater: Wie groß ist die grundsätzliche Bereitschaft der Wiener KMUs, mit wissenschaftlichen Institutionen zu kooperieren?
Halwachs: Das Interesse ist tatsächlich sehr groß, sodass wir hier am ZIT regelrecht in Arbeit untergehen. Zweifellos wird die Bereitschaft der Unternehmen, mit Forschungseinrichtungen zusammenzuarbeiten, sehr stark durch den Innovationsscheck der FFG in Höhe von 5.000 Euro gefördert. Dieser erleichtert den KMUs den Erstkontakt mit Forschungseinrichtungen, und ohne diesen Scheck würde vieles zweifellos nicht passieren. So aber entdecken selbst Unternehmen, die bisher versucht haben, alles alleine zu machen, den großen Benefit aus derartigen Kooperationen und erleben dadurch einen regelrechten Aha-Effekt.

www.zit.co.at round table industrialtechnology Freitag, 26. Juni 2009 - 47

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